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Experiment: Die zehn Brüder

Spielerei am Rande

Ein Ein-Stunden-Projekt zum Thema: "visuelles Klonen" oder wie man recht einfach zu neuen Geschwistern kommt.

Einmal im Jahr, meistens so im Frühling, bekomme ich Besuch der ganz besonderen Art. Denn dann werde ich für ein paar Tage von meinen neun Zwillingsbrüdern besucht.

Das ist immer ein ziemlich seltsames Treffen, auch weil wir uns den Spaß machen in dieser Zeit die gleiche Kleidung zu tragen.

Hier ein Foto des diesjährigen Treffens, ich, als der Zehnte, schieße gerade das Foto. Die zehn Frauen sind (Gott-sei-Dank) gerade mit unseren zehn Kindern unterwegs.

Mich gibt es doch nur einmal!

Ein Blick aus dem Fenster, das Wetter ist recht angenehm, Zeit für eine kleine Spielerei. Also stelle ich mein Stativ in unseren Garten und richte die Kamera auf unser Haus.

Die Belichtung stelle ich im manuellen Modus fest ein, das Scharfstellen überlasse ich der Kamera. Ich stelle den Auslösesound auf volle Lautstärke und programmiere den Intervalltimer auf 60 Sekunden. Nun macht die Kamera jede Minute mit lautem "Pling" ein Foto.

Was ich dann gemacht habe, kann sich jeder denken. Ich bin ins Haus gelaufen und habe mich ans Dachfenster gestellt, erst rechts, dann links, und habe jedesmal das Auslösegeräusch abgewartet.
Dann habe ich mich in die Haustüre gestellt, dann ans Fenster gelehnt, dann ganz rechts in den Wintergarten. Anschließend habe ich mich dreimal an den Tisch gesetzt, darauf geachtet die Tassen nicht zu berühren, und so getan, also würde ich mich mit Anderen unterhalten (hoffentlich hat das keiner beobachtet).

Zum Schluß habe ich ganz links noch etwas die Steine gefegt, leider etwas zu weit aus dem Bild heraus. Die beiden Katzen liefen derweil auch in der Szene herum, letztlich waren sie aber nur zweimal in je einem der Bilder zu sehen.

Die Kamera schoß in dieser Zeit 21 Bilder. Nach dem Aussortieren der schlechteren Posen und der Leerbilder, bei denen ich mich noch irgendwo im Haus auf dem Weg befand, blieben am Ende neun Bilder übrig.

Wer nun glaubt, die Personen wären auf klassische Weise mit einer Bildverarbeitung zusammenmontiert worden, der irrt. Hier kam wieder der rein statistische Algorithmus zum Einsatz, den ich eigentlich zur Entfernung von Bewegung entwickelt habe (siehe dazu auch Entfernung von Bewegungen).

Das Grundprinzip ist ganz einfach. Es wird jeder Bildpunkt mit den gleichen Bildpunkten in den anderen Bildern verglichen. Links im Diagramm sind die Farben eines Punktes, etwa aus der Mitte der Türe des Wintergartens rechts. In acht Bildern ist dort nur das Grün einer Pflanze zu sehen, die Toleranzen kommen durch Veränderungen der Umgebung über die Zeit und natürlich auch durch das Bildrauschen.

Im Bild Nr. 5 aber, wo ich ich dort an der Türe stehe, ist die Abweichung deutlich größer, in diesem Falle durch mein rotes T-Shirt.

Die simple Regel mit der sich alle Personen in einem Bild vereinen lassen lautet also:

- Vergleiche jedes Pixel mit den gleichen Pixeln der anderen Bilder
- Verwende das Pixel mit der größten Abweichung

Eine manuelle Korrektur durch die übliche Retusche ist dann noch dort notwendig, wo sich die "Differenzen" überlappen, sprich sich die Personen überschneiden.

Um auch Überlappungen weitgehend automatisch zu realisieren, wird das Verfahren zuerst umgekehrt.

Der "Ausreisser" wird dann nicht alleine benutzt, sondern als einziger ausgelassen, um so im ersten Schritt eine leere Szene zu erstellen. Diese wird dann im nächsten Schritt mit allen anderen Bildern verglichen, womit die jeweiligen Differenzen, hier also nur die Personen, als freigestellte Elemente übrigbleiben. Dies betrifft dann ganz automatisch alle Auswirkungen die eine Person im Bild hat, also auch Schatten und Spiegelungen z.B.

Legt man nun alle so freigestellten Differenzen übereinander auf die leere Szene, so muss lediglich die Reihenfolge dieser Ebenen manuell festgelegt werden um ein korrektes Über- und Untereinander zu realisieren.

Aus rechtlichen und kommerziellen Gründen ist der hier verwendete Algorithmus nur grob beschrieben und auch keine entsprechende Applikation ladbar.

Der Autor behält sich das Recht einer kommerziellen, lizenzrechtlichen oder rein privaten Nutzung vor.

Wir bieten aber an, unsere Methoden für kommerzielle, technische oder werberelevante Aufträge zu nutzen.

Fotografisch sowie auch auf Basis von geliefertem Material.

Kontakt: stephan@stoske.de