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Artikel: Das Saxophon

Bastelstunde:
Das improvisierte Studio

Erstellung eines Posters zur Erinnerung. Objekt-Fotografie im improvisierten Studio. Anwendung spezieller Methoden zur Rauschunterdrückung, Kontrast-Erweiterung und -Steuerung, sowie zur Beleuchtungs-Mischung.

Nachdem wir uns entschlossen hatten, unser altes Saxophon zu verkaufen, dachte ich mir:
Mach doch noch ein tolles Foto,
ein Poster davon, als Erinnerung. In unserem Treppenhaus gibt es ein schönes Plätzchen dafür, da passt es prima hin.
Die Idee und Vorstellung ist eine klare, sachliche Abbildung in Originalgröße, reduziert auf das Wesentliche, ohne weitere Ablenkung. Möglichst schattenfrei beleuchtet vor einem schlichten Hintergrund, scharf, kontrastreich, detailiert, so wie es mir, zumindest in der Vorstellung, am Besten gefallen würde.

Nun, noch vor einigen Jahren, als ich auch beruflich noch fotografierte, wäre das recht einfach gewesen. Wir hatten eine Blitzanlage mit großen Softboxen und einem Weißzelt, sehr gute Objektive und die Möglichkeit in Mittel- und Großformat zu arbeiten. Heute aber haben sich die Anforderungen verschoben, was wir noch an Fotos und Texturen erstellen müssen, erledigen wir mit einer einfachen Canon S45 Digitalkamera, dessen Objektiv nicht viel größer ist als ein Stück Würfelzucker. Studiotechnisch steht nicht mehr zur Verfügung als ein Stativ für die Kamera, ein Stativ mit einer 500 Watt Baulampe und das was der Haushalt eben so bietet.
Die Situation ist also wieder diesselbe, wie vor 25 Jahren als ich mit der Fotografie begann, und weil das sicher sehr viele andere Fotoamateure, angehende und ehemalige Profis gut kennen, beschreibe ich dieses kleine Projekt hier mit Freude und Spaß an alten Erinnerungen.

wie ein individuelles Gesicht, eine komplexe Menge aus weichen, harmonischen Formen und harten, scharfen Elementen, die sich fast frei von künstlerischer Gestaltung nur durch einen technischen oder praktischen Kontext ergeben. Hinzu kamen nur noch die Dinge die das Leben mitbrachte, der Kratzer hier, die Beule dort und die fehlenden Schrauben.

Die Oberfläche ist spiegelnd, das ganze quasi farblos, sieht man vom Kork am obere Ende mal ab. Das Mundstück ist leider nicht dabei gewesen. Also wird die einzige Farbe vom Kork sein, von der Umgebung oder vom Licht. Deshalb wähle ich einen Hintergrund der weiß ist, und auch im Bild nur wenig Struktur haben sollte.

Das "Sax" als solches

Alt ist es und angelaufen, dreckig und verbogen. Jeder Versuch, es wieder so erscheinen zu lassen, als wäre es neu, ist zum Scheitern verurteilt. Es hat wohl 20-30 Jahre den Atem eines Spielers gespürt, ist übersäht mit Spuren seines Lebens, praktisch von Hand nicht zu reinigen, und ist schon deshalb kein universelles Exemplar seiner Gattung, sondern nur eines, eben dieses, ein Charakter oder Individuum. Darum soll die Abbildung auch keine Szene sein, die den Kontext des Spielens unterstreicht, mit stilistischer Umgebung, rauchigem Ambiente und entsprechenden Accessoires, sondern mehr ein sachliches Portrait. Gestalterisch ist dieses Instrument auch durchaus Charakter-Fähig, denn es bietet,

Der Hintergrund

Als Hintergrund wünschte ich mir meinen alten Teppichunterleger. Der war für klassische Portraits, besonders in schwarz/weiß, wirklich toll, extrem schmutzig aber farblos. Leider wurde er irgendwann fahrlässig entsorgt. Andere Stoffe oder Pappen kommen nicht in Frage, mal sind sie nicht hell oder weiß genug, mal zuwenig, mal zu stark strukturiert. Am Ende entscheide ich mich für eine weiß getünchte Ziegelwand, die in Form einer Kaminsäule durch unser Haus geht.

Ein erster Test

Zum Test hänge ich das Saxophon mit einer festen Kordel auf, knapp vor die Wand. Ich verkante die Kordel so, dass das Sax möglichst senkrecht hängt und sorge mit einem kleinen Holzstäbchen zwischen Wand und Mundöffnug dafür, das es sich nicht zur Wand hin verdreht und frontal zu sehen bleibt. Nun schiesse ich ein paar Testfotos. Erwartungsgemäß ist das Sax recht dunkel und mit starken zusätzlichen Kontrasten versehen, einfach weil sich der gesamte Raum darin spiegelt. Ich retuschiere die Kordel und das Hölzchen weg und beurteile das Bild hinsichtlich der Schärfe und der Tonwertumfanges, mache einen Testdruck eines Ausschnittes in Originalgröße.

Bilddatei - Originalgröße
SaxTest1.jpg
Erste einfache Testaufnahme ohne Weißzelt

Druckgröße, Auflösung und Betrachtungsabstand

Das Auge kann beim normalen Sehabstand von halber Armlänge (ca. 25 cm) etwa 200 Punkte pro Zoll unterscheiden. Wird dieser Betrachtungsabstand unterschritten, dann wird das Bild als Ganzes nicht mehr scharf erfasst und ein lokales Druck- oder Bildraster wird erkennbar. Wenn also eine Kamera eine Auflösung liefert, die eine Sichtfläche von etwa 20 x 30 cm mit noch 200 dpi füllen kann, dann ist die Größe einer Druckausgabe bei normalem Sehabstand praktisch nicht mehr beschränkt. Die S45 erfüllt mit 4 Megapixeln und 206 dpi auf DIN A4 diese Anforderung.

Das Sax ist im Original 80 cm hoch, demnach muss das Bild mit Rand noch etwas größer sein. Bei gleichbleibender Proportion von 1:1.33 wähle ich zum Rahmen passend eine Bildgröße von 66,6 x 88,7 cm. Auf dieser Fläche beträgt die Auflösung dann noch 65 dpi. Ist das ausreichend? Ja, denn da das Bild über einer Treppe an der Wand hängen wird, beträgt der Mindestabstand 1,5 Meter. Es ist sechsmal größer als der Sehabstand, also würden sogar 33 dpi ausreichen. Anders gesagt, der normale Sehabstand zu dieser Postergröße mit 65 dpi beträgt optimal 76 cm.

Übrigens: Bilder mit aufwendigen Interpolationsverfahren "hochzurechnen" ist nur dann sinnvoll und auch nur begrenzt notwendig, wenn das Bild unterhalb dieser Grenze liegt, aber nicht mehr ab 4 Megapixel da ab hier das Verhältnis zwischen Größe, Abstand und Auflösung überschritten wird.

Überlegungen zu Licht, Schatten und Reflektion

Oft verfahren Fotografen nach einem Grundmuster, dass mit der Zeit abgewandelt und erweitert wird. Im Falle von verchromten und verspiegelten Objekten wird die Umgebung gerne völlig eliminiert. Dies kann durch einen weißen Raum geschehen, durch Vorrichtungen aus Stoff oder Papier oder sogenannte Weißzelte die quadratisch, rund oder kegelförmig sind und oft auch eine Öffnung für das Objektiv lassen. Schattenkanten werden dann gestalterisch gezielt wieder eingebracht, z.B. mit schwarzen Pappen, Flächen oder Gegenständen. Wird das Objekt zu groß, oder das Verfahren zu unhandlich, dann kann man es auch andersherum machen, indem die Reflektionsflächen durch große Softboxen gebildet werden.

Das sind meist quadratische oder rechteckige Reflektoren an oder um die Lichtquelle die auf dem Objekt die meisten Flächen weiß abdecken. Hier wird dann mit dem Gegensatz der dunkleren Kante (sprich: des Raumes) gearbeitet um mehr oder minder gezielt die Schatten- und Reflektionskanten zu gestalten.

Im Falle meines Saxophones möchte ich eine völlig schattenlose Ausleuchtung erreichen, sodass sich alle Details und Kontraste ausschliesslich durch die Form und die Reflektionen ergeben, aber nicht durch Schatten, die z.B. kleinere Teile auf den Korpus selbst werfen. Das Licht sollte also nicht von oben, unten oder vorne kommen, sondern nur von beiden Seiten.

Die "Topologie", also das auf- und ab der Form, sollte sich symmetrisch und klar abzeichnen, indem rechts und links eine Reflektionsfläche in Weiß aufbaut wird. Ergo muss zwischen Licht und Objekt ein Diffusor, ein möglichst geschlossenes Weißzelt durch das die Lampen zwar ein gerichtetes Licht werfen, dies aber diffus genug, um keine Schatten entstehen zu lassen.

 

 

Das Weißzelt

Um den Raum von der Szene zu trennen nehme ich nun zwei einfache, weiße Bettlaken und befestige diese rechts und links direkt neben die Kaminwand, mit der langen Seite an unserer Holzdecke, sehr pragmatisch mit ein paar Heftzwecken. So ist das Sax von zwei Wänden eingeschlossen. Die beiden Enden führe ich zusammen, unten mit einer Nadel, und schliesse so den Raum. Es ist nun zu sehen, dass fast nur noch das Weiß der Laken reflektiert wird, die braune Holzdecke spiegelt sich minimal im oberen Teil, aber der Boden ist noch deutlich zu erkennen.

Also schließe ich mit einem dritten Bettlaken den Raum auch von unten, indem ich ihn mit Stecknadeln an den hängenden Seiten befestige. Das Ende führe ich nach oben und decke damit noch das Stativ bis zu Kopf ab. Auf der Rückseite ist es mit einer Klammer befestigt.

Das Licht, bzw. der Baumarkt-Brenner strahlt aus einem Meter Abstand in Richtung Sax und auf dessen Höhe einfach gegen die Stoffwand. Auf den Bilder hier ist sie leider nicht zu sehen, sie steht auf einem Stativ rechts daneben.

Die Wolldecke auf dem Sims unten ist übrigens nur für den Fall gedacht, dass der Faden reissen sollte, denn das Sax wiegt über vier Kilo.

Der gesamte Aufbau bis zu dieser Stelle nahm etwa eine Stunde in Anspruch.

Angewandte Verfahren

Multiple Fotos (9)
zur Rauschunterdrückung, um per Vermittlung mit dem Programm NoiseRemover den Signal/Rauschabstand auf 1:3 zu erhöhen.

Multiple Fotos (2)
zur Vermittlung der rechten und linken Beleuchtung, die mangelns einer zweiten Lampe nacheinander erstellt werden muss.

Multiple Fotos (5)
zur Erweitertung des sichtbaren Tonwerte und zur nachträglichen Steuerung von Helligkeit und Kontrast.

Weitere Überlegungen und Vorbereitungen

Auch wenn die Auflösung des Bildes, wie oben beschrieben, mehr als ausreichend ist, heisst das nicht, das das Resultat nicht verbessert werden könnte. Der rein rechnerische Weg ist leider nicht genügend, weil auf dem viel langeren Wege des Lichtes bis zur Datei noch eine Menge qualitätsmindernde Faktoren hinzukommen. Angefangen vom eher simplen Objektiv, über das Rauschen des CCD-Chips bis zu Artefakten durch die Kompression. Deshalb nutze ich eine Reihe von Verfahren (siehe links) um die Gegebenheiten zu optimieren und das Resultat zu erreichen, was ich mir vorschwebt.

Einstellungen der Kamera

Die ganze Szene, Kamera, Stativ, das Sax, bleiben während aller Aufnahmen unangetastet. Per USB-Kabel mit dem Rechner verbunden, steuere ich die Aufnahmen vom Bildschirm aus. Bevor ich aber die Kamera fixiere und das Zelt schliesse, mache ich noch einen Weißabgleich.

Da ich mir über die Gestaltu ng und den Ausschnitt noch keine Gedanken gemacht habe, beschließe ich das Sax erstmal einzeln aufzunehmen und es später freizustellen.

Ich wähle den Ausschnitt also möglichst formatfüllend und vernachlässige die Wand im Hintergrund.

Aus früheren Tests weiß ich, dass das Objektiv meiner S45 seine größte Leistung bei einer Blende von 6,3 und einer Brennweite von (digital) 10,3 mm bietet. Diese Einstellung benutze ich auch hier. Die Scharfstellung überlasse ich dem Autofokus.
Eine korrekte Belichtung erfordert eine Belichtungszeit von 1/6 Sekunde, ich notiere mir dazu 0,3 und 0,6 Sek. als einfache und

doppelte Überbelichtung, sowie 1/13 und 1/25 Sek. als einfache und doppelte Unterbelichtung.
Als Speicherformat wähle ich Jpeg Superfine, obwohl die folgende Rauschunterdrückung auch sichtbare Artefakte einer normalen oder niedrigen Einstellung eliminieren würde.

Die letzte Korrektur am Sax ist die Verkürzung des Holstabes, damit dreht sich das Sax um etwa 20 Grad nach vorne, was mir besser gefällt.

Die Aufnahme

Für die kommenden Bilder lege ich mir fünf Ordner an, mit den Namen +2, +1, 0, -1 und -2, passend zu den Belichtungen. Dann schiesse ich die Fotos in schneller Folge.

Ich beginne mit 0,6 Sekunden und schiesse neun gleiche Bilder, ebenso für die vier anderen Zeiten. Insgesamt also 45 Bilder die ich auf die fünf Ordner verteile. Diese lege ich wieder in einen Ordner den ich "rechts" nenne. Dann stelle ich die Lampe auf die andere Seite und wiederhole den Prozess, was einen ebenso aufgebauten Ordner "links" ergibt. Beide kommen in einen "Bilder"-Ordner. Der ganze Aufnahme-Prozess hat bis hierhin etwa 30 Minuten gedauert, hauptsächlich für die Datenübertragung.
Rechts ein weiteres Testbild mit der Lampe auf der rechten Seite. Wie man sieht gibt es nur noch Reflektionen vom weissen Stoff oder vom Sax selbst. Die unbeleuchtete Seite projeziert einen Grauton, die beleuchtete Seite in Richtung Weiß. Schatten gibt es nur minimal, der leichte Schlagschatten wird durch die Gegenbeleuchtung später auch verschwinden.

Bilddatei - Originalgröße
SaxTest2.jpg
Zweite Testaufnahme mit Weißzelt und Beleuchtung von links

1. Methode -
Rauschunterdrückung durch Vermittlung multipler Aufnahmen

Der Erste Prozess

So einfach es mit einer digitalen Kamera auch ist, schnell viele Bilder zu schießen, so umständlich und langwierig ist eine Bearbeitung vieler Dateien. Deshalb beginne ich mit der Rauschunterdrückung, die mit meinem NoiseRemover ganz vollautomatisch ablauft. Ich wähle dazu nur den Ordner "Bilder" aus, und das Programm vermittelt automatisch alle Bilder eines jeden Ordners. So werden aus insgesamt 90 Bildern je fünf für die rechte und linke Beleuchtung. Die restlichen Bilder werden gelöscht.

Warum überhaupt neun Bilder? Bei der Vermittlung steigt das Verhältnis von Signal und Rauschen um die Wurzel der Anzahl der Bilder. Bei vier Bildern (Wurzel 4 = 2 ) würde das Verhältnis auf 1:2 steigen, was mir zuwenig ist. Bei neun Bilder (Wurzel 9 = 3 ) ist das Verhältnis 1:3 und ausgezeichnet. Das nächste Verhältnis von 1:4 würde schon 16 Bilder benötigen aber nur noch einen marignalen Unterschied bringen.

Im Vergleich wird deutlich, das bei diesem Verfahren wirklich nur das Rauschen reduziert wird, ohne die tatsächliche Information auch nur im Geringsten zu beeinflussen. Es ist damit das einzige Verfahren mit diesem Effekt, weil es durch die multiplen Signale einer statistischen Nährung entspricht und nicht auf einer Veränderung der Nachbarschafts-Verhältnisse aufbaut, so wie dies bei sämtlichen Filtern der Fall ist.

Die Ausschnitte hier zeigen immer links die einfache Aufnahme und rechts die Vermitttlung von neun Aufnahmen durch den NoiseRemover. Die abgebildete Größe beträgt 200%.

Keines der Bilder ist bis zu diesem Zeitpunkt irgendwie bearbeitet worden. Weder durch eine Tonwertkorrektur noch durch Filter wie Schärfen.

Bilddatei - Originalgröße
SaxNoise.jpg
Einzelne Aufnahme

Bilddatei - Originalgröße
SaxDeNoise.jpg
Vermittelte Aufnahme aus neun Belichtungen

Mit dem nächsten Schritt wird die Anzahl der Bilder weiter reduziert, hier vermittle ich die beiden Aufnahmen die ich mangels einer zweiten Lampe nacheinander machen musste.

Die fünf unterschiedlichen Belichtungen mit der Lampe rechts werden mit den gleichen Belichtungen mit der Lampe links verbunden.

Natürlich gibt es zahlreiche Methoden einer Verknüpfung dieser Bilder aber nur drei fotografisch sinnvolle.

2. Methode -
Vermittlung der rechten und linken Beleuchtung zu einer Darstellung

Hinweis
Die prozentuale Vermittlung von Bildern mit verschiedenen Beleuchtungen erlaubt natürlich auch im nachhinein eine Steuerung des Verhältnisses. Durch multiplizieren und negativ multiplizieren können Lichter und Schatten auch über das aufgenommene Maß hinaus verstärkt und abgeschwächt werden.

Multiplizieren

Das Multiplizieren der rechten und linken Beleuchtung ist linear eine Addition, in Bezug auf das Licht eine Subtraktion, das Bild ist nur noch halb so hell, bzw. um zwei Stufen unterbelichtet.
Das Signal unterliegt einer negativen Spreizung, der Signal/Rauschabstand halbiert sich wieder.

Negativ Multiplizieren

Das negative Multiplizieren ist linear eine Subtraktion, in Bezug auf das Licht eine Addition, das Bild ist nun doppelt so hell, oder um zwei Stufen überbelichtet.
Das Signal unterliegt einer positiven Spreizung, der Signal/Rauschabstand halbiert sich auch hier.

50% Deckkraft

Bei einer Vermittlung liefert jedes Bild genau die Hälfte seiner Information. Das Bild behält seine Gesamthelligkeit, verliert aber gut die Hälfte seines Kontrastes. Das Signal unterliegt einer Stauchung, d.h. wie schon im ersten Schritt verdoppelt sich der Signal/Rauschabstand auf über 1:4 weil hier nun volle 18 Bilder zum Tragen kommen.

Bilddatei - Originalgröße
saxMix.jpg
Vermittlung beider Beleuchtungen

3. Methode -
Zusammenlegung der unterschiedlichen Belichtungen zur Erweitertung des sichtbaren Tonwertumfangs

Mit dem dritten Schritt werden die fünf restlichen Bilder mit den unterschiedlichen Belichtungen zu einem Bild vermittelt, das den Tonwertumfang möglichst aller Bilder enthalten sollte.

Dazu gibt es zwei sinnvolle und recht einfache Methoden, von der zumindest die Erste auch einen weiten Einfluss auf die Steuerung von Kontrast und Helligkeit bietet. In beiden Fällen werden die Bilder auf unterschiedliche Weise zusammengebracht, mit dem Versuch die Gesamthelligkeit beizubehalten, aber die Tonwertumfänge der Bilder zu addieren.

Multiplizieren

Die erste Methode verwendet die additive und subtraktive Vermittlung durch die Verknüpfungen "multiplizieren" und "negativ multiplizieren". Hier wird die "Aufhellung" oder "Abdunklung" gegensätzlich zur Über- und Unterbelichtung angewendet. Die zu helle Überbelichtung wird abdunkelnd multipliziert und die zu dunkle Unterbelichtung wird aufhellend negativ multipliziert.
Da es unwahrscheinlich und entsprechend selten ist, dass sich Über- und Unterbelichtungen zur ursprünglichen Helligkeit kompensieren, muss diese

korrigiert werden. Dies geschieht am sinnvollsten durch eine Veränderung der Gewichtung. Da diese aber nicht durch eine leichte Zurücknahme eines bestimmten Bildes erfolgen kann, z.B. durch verringern der Deckkraft, kann man sich behelfen, indem man das Gegenteil doppelt einbringt. Bedingt durch die verknüpfende Operation ist auch die Reihenfolge der Ebenen von Bedeutung. Aufhelllung und Abdunklung kehren sich proportional um, je nach dem ob man mit der Unter- oder Überbelichtung beginnt. Durch entsprechendes Auslassen oder mehrfaches Einbringen kann über weite Strecken der Kontrast kontrolliert werden, und zwar in den Stufen der Belichtungsreihe und beiderseitig darüber hinaus (High/Low-Key).

Vermittlung

Diese Methode verwendet im Gegensatz zu allen bisherigen Schritten erstmals die Tonwertkorrektur - und gleich recht intensiv.

Hier werden zuerst alle Bilder normaliersiert, d.h. per Tonwertkorrektur werden die Schwarz- und Weißpunkte auf den Gesamtraum gedehnt. Dies aber nicht durch die "Auto"-Funktion, da diese R, G und B separat behandet und die Farbe des Bildes ändern kann, sondern durch manulles verschieben der Grenzpunkte auf den tatsächlich ersten und letzen Bildwert.

Dann werden die Bilder symmetisch vermittelt, also die beiden Überbelichtungen mit je 50% und die beiden Unterbelichtungen auch. Die Resultate werden dann auf dieselbe Weise vereint (das Bild der Normalbelichtung wird hierbei nicht verwendet). Anschliessend erfolgt eine letzte Tonwertkorrektur, bei der man nun, ganz wie es beliebt, auch oben und unten was abschneiden kann.

Diese Methode habe ich auch beim Saxophon verwendet.

Bilddatei - Originalgröße
saxFinal.jpg
Finale Abbildung des Saxophons

Vergleich einfaches Foto zur gesamten Vermittlung

Das Foto des Saxophons ist nun fertig, hier nochmal ein Vergleich mit einem 200%-Ausschnitt.

Links das Resultat des einfaches Bildes - das was man mit einem einzigen Schuss erreichen kann, bzw. das, was die verwendete Canon S45 in der Lage ist zu liefern. Neben dem Rauschen fallen besonders die wenig differenzierten Tonwerte auf.

Rechts das Resultat aller Vermittlungen. Das Rauschen ist wesentlich geringer und das Signal deutlich kräftiger. Die Tonwerte sind zahlreicher und werden feiner differenziert, auch Farbe und Farbsättigung sind kräftiger. Nur die Schärfe kann nicht beeinflusst werden, sie wird maßgeblich durch das Objektiv limitiert.

Retusche, Schlußmontage und Poster-Gestaltung

Zum Schluß entferne ich noch das sichtbare Halteseil und stelle das Saxophon frei. Von diesem Punkt ergeben sich nun unendliche Gestaltungs- und Variationsmöglichkeiten, ich wähle hier eine Form, die mir für den gewählten Platz geeignet scheint.

Der separat aufgenommene Hintergrund wird auch mehrfach vermittelt und in gedecktem Ton flächig dargestellt. Dazu wird eine starke Vergrößerung des Saxophons schwach transparent einkopiert. Zum Schluß wird das Sax in Orignalgröße eingesetzt und mit einer leichten Abschattung versehen.

Das letzte Bild zeigt das fertige Poster.

Freie Gestaltung und Design von Stephan Stoske. Der Ausdruck für private Zwecke ist erlaubt, eine kommerzielle Nutzung ist untersagt und bleibt vorbehalten.

Bilddatei - Originalgröße
saxPoster.jpg
Finale Abbildung des Saxophons