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Artikel: Belichtungsreihe: Besser als RAW

Belichtungsreihe:
Besser als RAW

Ein praktisches Beispiel dafür, wie man mit drei einfachen JPEG-Bildern eine deutlich bessere Qualität erzielt als mit einem Bild im Rohformat (RAW).

Hier wird an einem praktischen Beispiel gezeigt, wie sich die Vermittlung einer Belichtungsreihe im Vergleich zu einem Bild im Rohformat verhält.

Und zwar in Bezug auf die Art der Erstellung, den notwendigen Arbeitsaufwand und die letztlich erreichbare Qualität.

Es wurde eine Canon S45 benutzt, die Korrekturen erfolgen mit Photoshop und die Vermittlung der Belichtungsreihe wurde mit NoiseRemove gemacht. Beachten Sie hierzu auch die anderen Artikel.

Das Testbild

Diese Szene ist absichtlich so gewählt, dass eine halbwegs gelungene Abbildung kaum möglich ist. Das Kontrastverhältnis ist deutlich größer als das, was die Kamera mit ihrem CCD-Chip noch zu differenzieren vermag.

Der größte Teil des Bildes ist stark unterbelichtet, die Aussenbereiche und der Stuhl "saufen ab". Andere Teile sind dagegen überbelichtet, die Jalousie des Fensters und Teile der Pflanze sind überstrahlt. Die Belichtung erfolgte anhand der Bildmitte, so sind nur kleine Teile des Sofas halbwegs richtig belichtet.

Hier läßt sich nur durch eine massive Tonwertkorrektur noch etwas machen, wobei die Überstrahlungen natürlich nicht mehr zu kaschieren sind.

Prozess per
Rohformat

Die Kamera steht im Programm-Modus, die Einstellung der
Belichtung und der Schärfe überlassen wir der Kamera.
Die Bildgröße beträgt 2272 x 1704 Pixel.

Prozess per Vermittlung
einer Belichtungsreihe

Einzelaufnahme
Bildformat CRW
(Canon RAW)

Automatische Belichtungsreihe (Drei Bilder, Normal und +/- 2 Blendenstufen), Bildformat JPEG, mittlere Qualität (Fein)

Speicherbedarf auf der
RAM-Karte bzw. Festplatte:
3,6 MB

Speicherbedarf auf der
RAM-Karte bzw. Festplatte:
2,1 MB (740 + 836 + 608 kB)

Bilder zum Rechner übertragen

Der Zeitbedarf dafür beträgt etwa eine Minute, die Dateigröße wächst auf 22,2 MB

Konvertierung der CRW-Datei in ein 16 Bit-TIFF

Vermittlung der Belichtungsreihe durch BilderMixer in ein 8-Bit TIFF

Der Zeitbedarf dafür beträgt etwa eine Minute, die Dateigröße wächst auf 11 MB.

Bildanpassungen:
Tonwertkorrektur, Gamma, Sättigung

Auch im Histogramm wird deutlich, das der Tonwertbereich nicht vollständig erfasst wurde. Die Lichter sind beschnitten, die Tiefen zumindest hart an der Grenze.
Da wir den Bereich keinesfalls weiter beschneiden wollen, bleibt nur eine Aufhellung durch eine deutliche Gamma-Korrektur von etwa 1,5 oder mehr. Das ergibt zwar immer noch kein wirklich nutzbares Ergebniss, ist der tatsächlichen Lichtbedingung aber wenigstens etwas ähnlich.

Die starke Gamma-Korrektur reduziert den nutzbaren Farbraum so stark, das es zu Abrissen in der Farbe kommt und in dunkleren Bereichen sogar zu einer völligen Entsättigung.

Um diesen Effekt der Korrektur wenigstens in den noch farbigen Bereichen wieder auszugleichen, wird die Sättigung um 25 Einheiten angehoben.

Das Histogramm der vermittelten Belichtungsreihe ist nicht mehr beschnitten, sondern bietet an beiden Enden sogar noch etwas Raum, den wir mit einer Spreizung ausnutzen (Schwarz ab 6 und Weiss bis 250).

Auch hier erfolgt eine Gamma-Korrektur auf die tatsächlichen Lichtbedingungen hin, die aber mit 1,3 etwas geringer ausfällt.

Gleichsam wird die Sättigung um 25 Einheiten angehoben. In diesem Falle entsteht die Abschwächung aber durch die Vermittlung der Über- und Unterbelichtung. Das sie sich mit ebenfalls 25 Einheiten beheben läßt ist ein günstiger Zufall.

 

 

Speichern des Resultates

Dateigröße: 728 kB

In beiden Fällen wird das Resultat wieder als Jpeg-Datei gespeichert. Bei höchster Qualitäts-Einstellung sind auch im vergrößerten Druck keine Artefakte sichtbar.

Dateigröße: 764 kB

Resultate im 1:1 Vergleich

Einfaches JPEG

RAW-Format

Vermittelte Mehrfachbelichtung

In den Lichtern ist neben dem Farbsaum kein nennenswerter Unterschied zwischen einem einfachen Jpeg (zusätzlich in der linken Reihe) und dem Bild im Roh-Format auszumachen.

Die vermittelte Mehrfachbelichtung zeigt jedoch erwartungsgemäß noch Strukturen, so ist die Jalousie wieder sichtbar und auch die Überstrahlung geringer - die Schärfe etwas größer.

Im mittleren Bereich sind nur wenige Unterschiede auszumachen. Auch hier würde sich das Roh-Format nicht lohnen, nur die Vermittlung der Mehrfachbelichtung zeigt eine bessere Schärfe und etwas mehr Zeichnung.

In den gedeckten Bereichen (hier aufgehellt), findet sich beim Roh-Format erstmals ein sichtbarer Unterschied zum normalen Jpeg, das Rauschen ist etwas besser und die Farbabrisse werden gleichmäßiger aber auch entsättigt.

Die Vermittlung der Mehrfachbelichtung ist hier schon wesentlich besser, das Rauschen ist deutlich feiner, die Farben korrekter, die Schärfe höher.

In den tiefsten Bereichen gibt es natürlich den größten Effekt (hier stark aufgehellt). Das einfache Jpeg ist stark gestört, sowohl beim Rauschen, als auch in der Farbe, das Rohformat liefert deutlich bessere Farben und feineres Rauschen.

Auch die Vermittlung der Mehrfachbelichtung liefert hier in jeder Hinsicht den größten Gewinn, ist weitaus besser, schärfer und dem Original näher.

Schlußbetrachtung

Das Roh-Format scheint sich wirklich nur in sehr wenigen Fällen zu lohnen. Der vergrößerte Speicherbedarf und der zusätzliche Aufwand stehen in keinen Verhältnis zum erreichbaren Effekt. Das Rauschen verbessert sich nur marginal, die Vorteile der 16-Bit-Datentiefe gelangen nicht bis ins Resulat. Die Anwendung des Roh-Formates scheint nur nützlich zu sein, wenn die wesentlichen Elemente des Bildes in den Tiefen liegen (low-key), das Bild stark aufgehellt oder vergrößert werden muss.

Die Vermittlung einer Mehrfachbelichtung (sofern möglich) scheint da wesentlich lohnenswerter. Neben einer Vergrößerung des sichtbaren Tonwertbereiches wird auch das Rauschen besser entfernt und die Schärfe nimmt zu. Der Speicherbedarf ist trotz der drei Bilder kleiner, alle Prozesse der Kamera sind etwas schneller. Der zusätzliche Aufwand der Bildvermittlung mit dem BilderMixer steht in einem sehr guten Verhältnis zum Effekt. Dieser lohnt sich schon bei einfachen Aufnahmen, ganz besonders aber auch bei Vergrößerungen.

Original-Dateien

Roh-Format

Belichtungs-Reihe

CRW-Datei, 3,2 MB

Normale Belichtung, Jpeg, 683 kB
Überbelichtung, Jpeg, 773 kB
Unterbelichtung, Jpeg, 557 kB

Finales Bild,
konvertiert und korrigiert
Jpeg, 712 kB

Finales Bild,
vermittelt und korrigiert
Jpeg, 749 kB